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Chicas del Hogar

Chicas del Hogar

– eso es para ustedes!

Q xopa locas!

Voy a escribir en español porque todavia no entienden tanto alemán 🙂 Espero que lo valoran, por que es la primera vez que escribo tanto en espanol y nadie me lo corrige!

El año pasó rapido y tengo que irme ya. Casi un año, 312 dias, vivia con ustedes. Algunas veces no era facil. Por ejemplo si empezaron a tocar nuestra puerta a las 7 de la mañana o gritaron por todo el hogar “Baaaaaaaaajaaaaaaaaaan a comeeeeeeeeeer”, cuando comieron mi comida o robieron nuestras cosas algunas veces si queria matarles. Pero despues vinieron con una carta que decia “perdoname verena”, me abrazaron y yo no podia estar brava además.

Estaba en el mejor lugar de todo Panama para pasar este año social!!! Me recuerdo de mis primeros dias aqui, cuando ni querian saludar a nosotras. Ya cambió mucho y pasamos momentos inolvidables juntas.

Todas las 13 de ustedes en nuestro cuarto, haciendo desorden, tomando fotos locas, pintandose o chatenado en facebook. Nuestros paseos a buscar mango. Las chiquititas haciendo una picina del piso mojado :). El paseo al cine, cuando ordenamos 11 raciones de palomitas 🙂 o cuando nos casamos 🙂 o la ultima noche cuando me cantaron llorando esas canciones hermosas

Aprendi muchas cosas de ustedes y siempre me ensenaron y explicaron todo. Gracias por tener tanta paciencia conmigo, sé que muchas veces no entendí nada y la “r” todavia no me sale 🙂 Siempre cuando queria saber algo, habia una de ustedes que me ayudó. Espero que tambien aprendieron de nosotras. Por lo menos unas palabritas en alemán o como se hace galletas? Ya Inez está sola con ustedes…espero que se portan bien con ella y la cuidan!

Gracias por compartir conmigo no solo sus cosas y su hogar, tambien sus historias, sentimientos y pensamientos. Eso me significa mucho, y me encantó hablar horas y horas con ustedes sobre sus pollos 🙂 Cuando vinieron despues de la escuela y se quedaron un ratito con nosotras hablando de lo que pasó, cunado me abrazaron o dijeron “gracias” siempre me sentia muy feliz.

Y me regalaron algo increible, que dice más que un regalo caro! Estaba bien sorprendida cuando vine a la sala y ahí estaban ustedes cantando juntas solo para mi. Entendi, que tengo una familia aquí. Me dolia mucho verles llorando tan fuerte y al mismo tiempo sigiendo cantando para mi. Me sentia que triste dejar a ustedes solas . De verdad que eran mi familia aquí y les quiero mucho.

Si veo ya nuestro pared con todos sus dibujos ya sé que aqui siempre voy a tener una casa. Estoy triste, porque pasé el mejor tiempo de mi vida aqui en Panamá con ustedes y ya tengo que regresar a Alemania y ni sabe cuando les voy a ver de nuevo 😦

Alba, Melitzel, Yasuri, Yinela, Aleyshka, Yohana, Angelica, Dayanis, Nidia, Inez, Panda, Yimara, Kira y Neilis: nunca les voy a olvidar, estan en mi corazon para siempre

les quiero mucho, mucho, mucho

milies de abrazos y besitos

Verena

Erinnerung – Recuerdo

Die Geschichte, die ich erzählen werde, handelt von einem Traum. Dem Traum von einem Austausch, von den Traditionen, Zielen, Erfahrungen eines ganzen Jahres.

 

 

Genau, ihr habts sicher schon erraten: es ist meine Geschichte, die Geschicht von 365 Tagen Panama.

Aber nicht ich erzähle sie, sondern Yohana, 16, ein Mädchen hier aus dem Mädchenheim. Schon vor Wochen haben wir über meinen Blog geredet und sie wollte etwas dafür schreiben. Und heute, an meinem letzten Tag, kam sie dann mit diesem wunderschönen so treffenden Text an, den ich einfach für euch übersetzten und veröffentlichen musste.

Die Geschichte von Verena und Inez im Mädchenwohnheim, aber aus einer ganz anderen Sicht:

Alles begann am 3. August 2011. Es war schon 20:34 Uhr in Panama-City, in El Chorrillo, Straße 26, Kirchengemeinde Fatima. Es war ein Tag unter der Woche, an dem alle Mädchen des Mädchenheims noch die letzten Hausaufgaben machten, als an einem anderen Ort zwei Mädchen von Deutschland nach Panama reisten.

Durch die Türe zur Bücherei, wo sich fast alle Mädchen aufhielten, traten zwei Jugendliche von 20 und 19 Jahren, von denen wir noch nicht wussten, dass sie ein Jahr mit uns zusammen leben werden! Das hat meine Neugierde geweckt, sie kennenzulernen, obwohl sie noch nicht gut Spanisch sprachen und aus einen anderen Land kamen. Es war ein bisschen schwer mit ihnen zu reden und noch viel schwerer war es, ihre Namen zu lernen. Ziemlich oft habe ich sie verwechselt  oder ihre Namen vergessen.

Einige Wochen später machten wir einen Ausflug, es war der erste Ausflug mit den beiden, mit Verena und Inez,  zum Cerro Azul [Ein Berg nahe Panama-Stadt]. Ein Ort so wunderschön, dass er wie ein anderes Land erscheint, ein bisschen kühler als in der Stadt. Da hat dann alles angefangen. Wir waren 2 Tage dort und an diesen Tagen haben wir angefangen die beiden Mädels auszufragen, aber da sie, wie ich gesagt habe, noch nicht so gut Spanisch verstanden, haben sie uns mehr oder weniger geantwortet oder uns einfach nur angelächelt.

Stück für Stück, mit der Zeit, haben sie angefangen die Dinge mehr oder weniger zu verstehen, noch viel mehr, als sie angefangen haben, den Kindern in der Schule, mit der Hilfe einer Englischlehrerin, Englisch-Unterricht zu geben.

Mit der Zeit,begannen wir ein bisschen mehr Vertrauen zu fassen. Mir hat die Idee immer gefallen, ein anderes Land, andere Personen, eine andere Lebensweise kennenzulernen. Zu wissen, dass es an einem anderen Ort jemanden gibt, der das gleiche denkt wie du, zu wissen, das jemand dich in deinen verrückten Ideen unterstützt.

Auf diesem Ausflug zum Cerro Azul, an den ich mich erinnere, war das erste, was ich gemacht habe, um Verena und Inez kennenzulernen, eine Zeichnung auf einer alten Zeitungsseite ohne Farbe, die ich ihnen später geschenkt habe.

Mit der Zeit habe ich sie gefragt, was ihnen gefällt und was sie mal werden wollen und sie antworteten mir. Sie haben mir einige Fotos gezeigt, von ihren Freunden, ihrer Familie und wichtigen Personen in ihrem Leben. Genauso wie ich ihnen auch viel erzählt habe, auch dass ich eines Tages Paris kennenlernen will. Okay, der Eiffelturm, einer meiner ach so kleinen Träume…… 🙂

Eine der Sachen, die ich nie vergessen werde und die keines der Mädchen, die mit mir hier leben je vergessen werden, sind unsere Ausflüge. Ins Kino, das Plätzchenbacken, die Modenshow, die Pizza, die Ausflüge zum Amador, Ostern, der Kino-Tag in eurem Zimmer, die Umzüge an den Nationalfeiertagen, den Tag, an dem ihr geheiratet habt UND DER LETZTE TAG, 9.07.2012 DER ABSCHIED. Das sind eine der wenigen Sachen, die ich nie vergessen werde. Genauso wie der Tag, an dem ich den Ring meines 15. Geburtstags [Tradition hier in Panama, der 15. Geburtstag wird groß gefeiert und die Mädels bekommen eine Ring, den sie immer tragen] verlor und meine Gefühle für gewisse Personen. Nun mir hat es immer gefallen mit euch meine Gefühle, meine Träume, Fantasien und mein Leben zu teilen, weil ich jetzt erzählen kann, was ich über diese Beiden so ganz Neues erfahren habe. Zum Beispiel, dass ich ein bisschen was von ihrer Sprache gelernt habe.

Ich hoffe ,dass ihr immer glücklich sein werdet, dort wo ihr seid. Gott hat euch beide zusammengeführt und es war ein glücklicher Zufall des Lebens, dass danach ich und andere euch kennenlernen durften.

Es ist wie mit den Sternen im Himmel, es sind viele verschiedene, die aber nie aufhören, das zu sein, was sie sind. 🙂

Ich glaube an den Zufall und du?

Ich werde mich durch die Muschel, die du mir geschenkt hast, immer an dich erinnern. Und an dein Lächeln und dein Verhalten. Ich hoffe, dass du dies deiner Familie und deine Freunden erzählst [ist hiermit getan!].

Liebe Grüße, ich hab dich so lieb, machs gut, behüte dich Gott heute und alle Tage…

Yohana

Semana Alemana

Alemania – Deutschland – ein Land, das bis vor einem Jahr den Kindern hier in Chorrillo völlig unbekannt war, jetzt aber fest in ihrem Wortschatz verankert ist. Sie wissen, dass wir aus einem anderen Land kommen, in dem alle Menschen weiß sind, dass es dort Schnee gibt und das die Menschen dort anders sprechen. Und nach wie vor werden wir ständig mit Fragen über Deutschland bombardiert. So kann es ganz schnell passieren, dass wir unser eigentliches Ziel, nämlich Englisch zu unterrichten, ziemlich schnell in Vergessenheit gerät und wir nur noch Fragen über Deutschand beantworten.

Ihr wolltet bestimmt auch immer schon mal wissen…

  • was „rana“, „lluvia“, „te amo“, „mantequilla“, „vestido“… auf Deutsch heißt?
  • wie es eigentlich aussieht, wenn es schneit?
  • ob die Kinder in Deutschland auch zur Schule gehen?
  • warum in Deutschland niemand Spanisch-Panamaisch spricht?
  • warum ich blaue Augen haben?
  • und ob ich Mesut OOOOOOzil kenne und Muuullerrrr? (sie üben und über, aber  ö und ü und ä bringen sie einfach nicht über die Lippen)

Gut, vielleicht findet ihr das jetzt nicht ganz so spannend, aber die Kinder hier in Chorrillo finden alles, was mit mir und Inez zu tun hat hoch spannend. Aber nicht nur sie, auch für die Lehrer und Mitarbeiter der Einrichtung ist es etwas Neues, denn die meisten sind aus Panama noch nie rausgekommen und kennen andere Länder allenfalls aus dem Fernsehen.

Kurzer Hand: Inez und ich beschlossen, eine Semana Alemana – eine deutsche Woche an der Schule durchzuführen, damit kurz bevor wir gehen, auch noch alle Fragen der Schüler beantwortet werden. Die Direktorin gab uns grünes Licht und so nahm die Sache ihren Lauf. Und es begann eine meiner schönsten, stressigsten und dankbarsten Wochen hier in Panama.

Inez und ich machten uns eifrig an die Vorbereitungen. Wir statteten der Einkaufs-Mall einen Besuch ab und drucken Fotos aus, beklebten Plakate, putzten ein leeres Klassenzimmer von oben bis unten, gingen noch mal die letzten Sachen einkaufen, besuchten die deutsche Botschaft und kamen voll bepackt mit Broschüren, Deutschlandfähnchen und Flyern, wieder zurück. Wir hängten alle Plakate 2x im Klassenzimmer auf (ja, man beachte den Unterschied zwischen gutem und richtig gutem Klebeband :)) gingen noch mal die allerallerletzten Sachen einkaufen und veranstalteten ein riesen Chaos in unserem Zimmer. Wir gingen noch mal einkaufen, weil immer noch was fehlte und machten uns daran Weihnachtsplätzchen zu backen, damit auch der kulinarische Aspekt Deutschlands nicht zu kurz kommt. Äh ja, hört sich toll an, an jeden Schüler ein Weihnachtsplätzchen zu verteilen, oder? Hm, kurze Rechnung

600 Schüler + 70 Lehrer + 2 kekse-liebende Deutsche + 12 heißhungrige Mädchen + Putzfrauen, Köchinnen und allerlei andere, die den deutschen Keksen verfallen sind = an die 1000 Kekse

1000 Kekse x 1 Blech x ein Backofen x hilfsbereite Kinder, die mehr Teig essen oder auf den Boden fallen lassen, als ins Ausstecherle bringen = eine Woche Plätzchen backen…ich sag euch, irgendwann konnte ich sie nicht mehr sehen, aber wir haben durchgehalten. Und es hat sich gelohnt. Denn die „Galletas alemanas“ – die deutschen Kekse waren Gesprächsthema Nummer 1 an der Schule 🙂

Am Montagmorgen war dann alles bereit und wir starteten in die Semana alemana – in unsere Deutsche Woche.

Von Montag bis Freitag besuchten uns alle Klassen der Schule und wir zeigten ihnen Fotos per Powerpoint und erzählten ihnen von unserem Land. Ja, wir haben tatsächlich einen einstündigen Vortrag auf Spanisch gehalten. Inez und ich ohne üben, und wir hatten nicht mal Karteikarten. Und ja, wir sind sehr stolz auf unser so gar nicht fehlerfreies Spanisch :). Sie waren nicht mucksmäuschenstill und auch nicht gefesselt von unserem Vortrag, aber das erwarte ich auch schon gar nicht mehr. Auf jeden Fall waren sie sehr sehr intressiert, haben zugeört und sich so gut benommen, wie normalerweise nie bei uns 🙂

Welches Land ist größer? Panama oder Deutschland

Winter in Deutschland ist so kalte, wie 10 Minuten den Kopf ins panamaische Gefrierfach stecken

Über was wir geredet haben? Na über alle wichtige aus Deutschland eben 🙂 Angefangen von Wo ist Deutschland? Über Schnee, Dirndl und Bier, Fasnet, Essen, Tiere und natürlich nicht zu vergessen Fußball bis hin zur Autobahn und dem Euro und natürlich zum Schluss „Oh wie schön ist Panama!“…dem Grund warum alle Kinder in Deutschland Panama kennen 🙂

Nicht zu vergessen natürlich auch dem kleinen Deutschkurs. „Hallo, Guten Morgen, Wie geht’s, Danke, Kuss“ sind inzwischen fest in der Schulsprache verankert und Inez und ich wurden am Freitag auch nur noch so begrüßt 🙂

Verena und Inez: Wir sind Frewillige für ein Jahr. Wir arbeiten hier in der Schule (bringen dder 3. Klasse Englisch bei) und leben im Mädchenwohnheim. Dieses Jahr ist ein soziales Jahr zwischen dem Abitur und der Universität. Wir sind Teil der kleinen deutschen Organisation „Claim for Dignity e. V.“. Unser Freiwilligendienst ist Teil des Weltwärts-Programms.

„Wow, sind die Häuser in Deutschland aber groß…“

Was ich auch schön fand, war, dass nicht nur Schüler, sondern auch die Lehrer in ihren Freistunden, die Putzfrauen, Köchinnen, Bauarbeiter und sogar der Deutsche Botschafter kam, um unsere Ausstellung aufzuschauen und etwas über Deutschland zu lernen und einen Keks abzustauben 🙂

Am Freitag dann, am letzten Tag, haben wir alle Plakate, vom doch etwas abseits gelegenen Klassenzimmer ins Foyer der Schule gehängt. So dass auch noch mal die Eltern der Schüler oder diejenigen, die es nicht bis zu uns geschafft hatte, sich quasi im Vorbeigehen über Deutschland informieren konnten…Abgeschlossen wurde unsere Deutschland Woche dann mit einem selbstgebackenen Apfelkuchen für alle Lehrer, der unter tosendem Applaus 🙂 in Windeseile verputzt war 🙂

Wir bekamen so gut wie nur positive Rückmeldungen über unsere Deutschlandwoche, mal davon abgesehen, das wir vergessen hatte die Frankfurter Würstchen zu erwähnen :)…die Kinder waren glücklich und ich musste so vielen versprechen, dass ich sie mit nach Deutschland nehme, das ich in Deutschland gleich ne ganze panamaische Schule aufmachen kann. Betreten Inez oder ich die Schule, so schallt uns ein „Hallo, Danke, Kuss“ entgegen und die Lehrer stehen Schlange, damit wir ihnen das Rezept für die Weihnachtsplätzchen geben :). Ich war vor allem am Donnerstag und Freitag einfach nur glücklich, weil der Vortrag, den ich inzwischen auswendig konnte :), vor den 5.  und 6. Klässlern so gut geklappt hat, die so interessiert waren und mitgemacht haben und weil alle Lehrer, die Direktorin und der Botschafter so begeistert waren und uns gelobt haben.

Und wenn man bedenkt, wie viele Menschen, wie viele Panameños jetzt etwas über Deutschland wissen und sei es nur, dass der Real-Madrid-Spieler Özil traurig ist, weil alle zu ihm Ozil sagen, obwohl er doch mit zwei Punkten geschrieben wird…dann war es die Sache und den Aufwand auf jeden jeden Fall wert und ich bin fast traurig, dass es nächste Woche wieder in den Alltag geht…Wobei nicht ganz, denn auf die Semana Alemana folgt die English Week, die englische Woche, die es jedes Jahr an der Schule gibt, wo mit den Schülern kleine Lieder und Theaterstücke auf Englisch einstudiert und aufgeführt werden….aber dazu nächstes Mal mehr.

Und vielleicht gibt’s ja bald in Deutschland ne Semana Panameña – eine Panamaische Woche sozusagen…

Voller Stolz singen sie die deutsche Nationalhymne 🙂

…Happy verde tuyu happy tuyu que see cumpla Verena muchos anos feliz de la vela lalu sefue sonalela deisi deisi que su cumpla Verena muchos anos feliz…

[Spanisch-Englisches Geburtstagslied, was mir eine Schülerin geschrieben hat…genau die ersten zwei Wörter heißen “Happy Birthday” 🙂 ]

und dazu natürlich die obligatorischen Glückwünsche:

Que pases muchos años, gracias Verena por tanta ayudarme te voy a traer algo si mi mamá me deja, si no no, porque ella la que me manda.

[…dass du noch lange lebst, danke Verena, dass du mir so viel geholfen hast. Ich werde dir etwas mitbringen, wenn meine Mama mich lässt, wenn nicht, dann nicht, weil meine Mama das Sagen hat… 🙂 ]

Geburtstag auf panamaisch

1. Juni, wieder so ein wichtiges Datum, dass sich meine Blogleser merken sollten, warum?  Wie, das wisst ihr nicht? Dann lest mal nach!

Am 1. Juni 1964 wurde die Straßenverkehrsordnung der Bundesrepublik Deutschland 
geändert. Seit diesem Tag haben die Fußgänger auf Zebrastreifen Vorrang vor den 
motorisierten Verkehrsteilnehmern.

(Ah ja, wieder was gelernt, was man nicht so alles findet, wenn man Wikipedia nach einem Thema für den nächsten Blog durchstöbert…und nein, ich habe noch keine Zebrastreifen in Panama gesehen und ich glaube auch nicht, dass es eine Straßenverkehrsordnung gibt…)

Es muss also einen anderen Grund geben, warum der 1. Juni 2012 ein denkwürdiger Tag in der Geschichte Panamas war.

Nämlich…………………na, genau, die Verena ist jetzt nämlich nicht mehr 19, sondern definitiv unabdinglich ein Jahr älter. Naja, ein neues, genau genommen mein drittes Lebensjahzehnt beginnt, ich bin ja mal gespannt, was dass so mit sich bringt.

Aber noch viel gespannter war ich darauf, wie ich meinen Geburtstag wohl in Panama feiern würde. Aber lest selbst:

Mein Geburtstag fiel auf einen Freitag und gleichzeitig auf den letzten Schultag des ersten Trimesters. Das heißt alles ging noch mehr drunter und drüber als sonst, es gab keinen richtigen Unterricht mehr und alle Schüler hatten schon um 11 Uhr aus, um in eine Woche Ferien zu starten.

Ich hatte ja geplant, dass alles eher ruhig angehen zu lassen und eigentlich auch niemandem groß zu sagen, dass ich Geburtstag habe, aber das hat irgendwie nicht so funktioniert, denn ich habe die Rechnung ohne die Kinder gemacht. Die haben irgendwann in der letzten Woche rausgefunden, wann ich Geburtstag habe und so nahm die Sache ihren Lauf.

Schon morgens gabs die ersten Umarmungen und Küsschen von den Schülern und bei der morgendlichen Versammlung auf dem Schulhof wurde ich nach vorne gerufen und alle haben „Happy birthday“ gesungen, auf Englisch. (Zitat von der Religionslehrerin: „da die Verena ja besser Englisch als Spanisch kann“ 🙂 ).

Eine Schulklasse, meine 3A-Horror-garnicht mehr so Horror–Klasse wollte mir unbedingt eine Geburtstagsparty schenken und kam ganz stolz am Freitag mit einer 2l-Flasche Coca-Cola an, die wir dann natürlich sofort in der Pause aufgemacht haben und mit meinen mitgebrachten Keksen verzehrt haben :). Nur ich hab tatsächlich was Grundlegendes falsch gemacht! Wie kam ich nur auf die Idee, 25 Schokoladen- und 25 Erdbeerkekspackungen würden für 50 Schüler reichen, wo doch alle Schokolade wollen. Also wirklich Verena, wie konntest du nur :).

So ging der Schultag schnell rum und wieder zurück im Mädchenwohnheim hab ich dann mit den Mädels, zumindest mit denen, die noch nicht zu ihren Familien gefahren sind, gefeiert und den super leckeren Kuchen gegessen, den Inez mir gebacken hat.

Vielleicht mal ein kurzer Exkurs zum Geburtstagfeiern auf Original panamaische Art, wie ich das bis jetzt erlebt habe. Also: als Kuchen gibt es eine gekaufte Sahnetorte, am liebsten möglichst bunt und kitschig mit passendem Schriftzug. Mit der gibt’s dann nicht Kaffee und Kuchen, wie in Deutschland. Sondern dulce, helado und soda (Kuchen, Eis und Coca-Cola, irgendwie auch passender bei der Hitze hier…). Was ich eigentlich ganz toll finde ist, dass es nicht 5 verschiedene Kuchen, wie in Deutschland gibt, sonder einfach ein größerer Kuchen gekauft wird und jeder sein kleines Stückchen kriegt (so ein normal großer Kuchen reicht so auch locker für 20 Leute). Natürlich wird auch wie in Deutschland „Feliz cumpleaños“ gesungen, auch wenn das hier mehr Strophen hat. Außerdem wird allen Leuten, die gratulieren oder so rumlaufen, Kuchen eingepackt oder aufgehoben, damit auch ja niemand vergessen wird. Eigentlich cool, denn so bekommt man ständig Kuchenstückchen in die Hand gedrückt, von welchen, die gerade Geburtstag haben.

und damit es an meinem Geburtstag nicht zu langweilig wird, haben wir uns was ganz Besonderes für die Schüler ausgedacht: tatatataaaaa, das Spinnen-Mobile passend zum Lied Itzy Bitzy Spider

Aber das war noch nicht alles, denn ich hab festgestellt, dass so ein Geburtstags-Freitag viele, viele Stunden hat, die gefüllt werden wollen, also kamen Inez und ich aus dem Feiern gar nicht mehr raus 🙂 . Nachdem dann alle, die den „deutschen Kuchen“ probieren wollten, ihr Stück bekommen hatten, ging es an die weitere Planung. Und die war wie immer in Panama ziemlich spontan. Erst hatte ich überhaupt keinen Plan und dann wollten plötzlich alle auf einmal was mit mir machen, naja so ähnlich.

Erst einmal ging es rüber, einnmal quer über die Straße, zu José Antonio, dessen Schwester hatte, verstehs wers will, einen riesigen riesigen Topf Reis mit Meeresfrüchten gemacht und so mussten alle kommen und mitessen, damit der leer wird. Der Reis war dann auch wirklich richtig lecker und das will von mir schon mal was heißen, wo ich inzwischen echt nichtmehr gut auf Reis zu sprechen bin! Somit wirklich ein gelungenes Geburtstagsgeschenk :). Ich habe mich ja inzwischen daran gewöhnt, dass die Musikanalage auf voller Lautstärke läuft und man sich schreiend unterhält, das gehört in Chorrillo wohl einfach dazu. Ich habe aber auch gelernt, dass, wenn das Geld nur entweder für Kühlschrank oder Musikanlage reicht, eindeutig die Musikanlage gekauft wird. Was ich aber noch nicht wusste ist, dass die Musikanlage, wie der Fernseher auch läuft, wenn niemand da ist. Ungelogen, wir kamen in die Wohnung (eigentlich nur ein Zimmer) und die Musikanlage lief auf voller Lautstärke obwohl gar niemand zu Hause war!

Auf jeden Fall waren wir dann so ein bis zwei Stündchen Reis essend und Geburtstagsfeiernd bei ihm, bis ich einen Anruf von den Heimmädels bekommen habe, die überraschenderweise jetzt doch einen Ausflug mit einem Pfarrer unternahmen und uns dabei haben wollten. Also verabschiedeten Inez und ich uns schnell und sind mit den Mädels in den obligatorischen 9-Sitze-für dreimal so viele Personen-Bus gestiegen und los gedüst.

Ziel? Der Kentucky Fried Chicken auf der anderen Seite der Stadt. Keine Ahnung, warum es ausgerechnet der sein musste und es nicht einer von den vielen anderen hier in der Nähe getan hat. Ach doch, wahrscheinlich hatte nur der so ein super duper Kinderland mit Rutsche und Labyrinth, dass ich natürlich trotz meiner jungen-alten 20 Jahre ausprobieren musste 🙂 . Die Mädels haben es wie immer total genossen, aus dem Heim rauszukommen, haben den KFC gerockt und ich kam zu meinem zweiten „feierlichen“ Abendessen. Danach machten Inez und ich uns noch ins panamische Nachtleben auf, um auch noch die letzen Stunden meines Geburtstags zu genießen.

In diesem Sinne auch Danke an alle, die an mich gedacht haben und mir gratuliert haben. Muchas gracias! An so einem Tag fällt mir noch viel mehr auf, wie sehr ihr fehlt und ich freue mich schon so, euch schon ganz bald wieder in die Arme zu schließen.

Alltag??!

Sonntag

7:00 Uhr, gefühlt noch mitten in der Nacht. Ich werde wach, warum den bloß? Ach ja, es klopft, und zwar nicht nur einmal, sonder gleich duzende Male mit Händen und Füßen wie verrückt gegen unsere Türe. Geht es um Leben und Tod? Nein, das sind nur ein paar kleine Mädels, die einfach Lust haben, in unserem Zimmer zu spielen statt in ihrem. Aber das können sie auch noch später, also schlafe ich weiter!

9:00 Uhr, schon besser. So langsam stehen Inez und ich auf und wir frühstücken.

11:00 Uhr, Zeit zu planen, was der Tag so bringt. Wir fangen erst mal an, ein bisschen Unterricht zu planen für die Schule. Wir malen die neuen Vokabeln auf große Blätter, korrigieren Hefte, machen Arbeitsblätter…

13:00 Uhr. Huch, das dauert aber lange…immer noch am Unterricht planen. Jetzt schnell mal schauen, ob jemand in Skype zum Telefonieren online ist und dabei ja nicht den großen Mädels, die inzwischen Haare glättend, sich schminkend oder sonst was tuend in unserem Zimmer chillen zeigen, dass das Internet doch tut. Denn wenn doch, dann komme ich heute zu gar nix mehr, weil sie alle nur „ganz kurz, schnell“ in facebook was schauen müssen :).

14:00 Uhr, es wird Nachmittag, auch in Panama. Die Mädels wollen mit uns einen kleinen Ausflug machen. Da kommen sie endlich Mal aus der Einrichtung raus. Das geht nur mit uns „Alemanas“ oder mit der Schwester, die hat aber nie Zeit und Lust. Aber Inez und ich sind gerne mit ihnen unterwegs. Okay um drei Uhr solls losgehen.

kurz vor 15:00 Uhr, gleich geht’s los. Oder doch nicht? Die Mädchen sind nämlich gerade ach so beschäftigt mit Fernsehschauen, Hausaufgaben machen oder sonst was. Sie sagen „Wir haben keine Lust, heute nicht.“ Gut, dann eben nicht, man kann sie ja nicht zu ihrem Glück zwingen.

17:00 Uhr, ja wie die Zeit vergeht. Die Mädels kommen zur Tür hineingestürmt. „Las uns gehen, wo bleibt ihr, komm wir gehen raus!“ „Ach wie, jetzt doch? Häh, gerade eben wollten sie doch gar nicht?“, frage ich mich leicht amüsiert. Um halb 7 wird es dunkel, um 7 müssen alle Mädchen wieder hier sein und um zur Fußballwiese zu gelangen, läuft man eine Stunde. Das lohnt sich doch gar nicht!! Aber wir wollen mal nicht so sein, Flippflopps an, Tüte geschnappt und los.

Gruppenfoto *cheeeeeeese*

17:30 Uhr Tüte? Naja, es geht Mangos pflücken und zwar unreife! Ganz grüne, aus denen macht man Mangosalat mit Salz und Essig. Schmeckt besser als es sich anhört, aber ich mag die Reifen trotzdem lieber.

Suchbild: Wer findet die reife Mango?

19:00 Uhr, pünktlich! Wir alle trödeln verschwitzt, aber vollzählig wieder im Mädchenwohnheim ein. Das Fußballspiel wird aufm Hof nachgeholt. Ich blamiere mich wie immer, kann aber nicht aufhören zu lachen, so lustig ist es.Jedoch fehlen die Jungs aus dem Jungsheim. Seit Neustem dürfen die nämlich keine gemeinsame Sache mehr mit den Mädels machen. Keine Ahnung warum, aber schade ist es auf jeden Fall. Und gut, dass das nicht für mich gilt, denn mit den Jungs ist es immer so so lustig. Sind sind unglaublich süß und reißen einen Witz nach dem Anderen. Ungelogen: fünf Minuten ei ihnen und ich liege am Boden vor Lachen. Gibt es ein besseres Heilmittel gegen Heimweh und Abschiedstraurigkeit?

22:00 Uhr, schon spät. So langsam könnte man Richtung Bett gehen, denn morgen wird’s anstrengend. Vielleicht noch ein paar Seiten Tagebuch schreiben und die wenigen Tage zählen, die noch bleiben, bevor ich Panama verlasse. Die vergehen nämlich unglaublich schnell!!

Springbild 🙂

Montag

3:00 Uhr mitten in der Nacht. Schon wieder werde ich wach? Ach wie schön, da hat ja jemand die Musik angemacht, extra das ich schlafen kann. Was gibt es mitten in der Nacht Schöneres, als ein gratis Reaggeaton-Konzert auf voller Lautstärke, so das die Fensterscheiben wackeln.

6:30 Uhr. dideldidididiiiitamtadam [fröhliche Melodie]Hmm, irgendwie bin ich dann ja trotz Konzert noch eingeschlafen. Aber jetzt reißt mich der Wecker aus dem Schlaf. Aufstehen, duschen, anziehen…

7:00 Uhr Aufbruch Richtung Frühstück und Schule

7:01 Uhr Ankunft in der Schule. Ja, Arbeiten und Wohnen ist hier praktisch das Gleiche. Eine Minute Schulweg, das ist doch mal was. Und sobald wir im Essensaal frühstücken, sind wir von Kindern umringt und „arbeiten“ Toast-brotessend. Wahres Multitasking! Wir belustigen die ersten Kinder, die sich darüber lustig machen, das wir Joghurt mit dem Löffel essen. (Wie bitte denn sonst!), geben unserem Unterricht noch den allerletzten Schliff oder versichern Müttern, dass ihre Kinder die Allerbesten sind und sich immer gut benehmen (Äh, ja meistens jedenfalls).

7:20 Uhr die Schüler versammeln sich zur Morgenandacht. Danach geht’s in den Unterricht. Heute fangen wir ne neue Unterrichtseinheit an: „In the Circus“. Ja genau, passend zum ganzen Zirkus den die Schüler immer noch im Klassenzimmer veranstalten, da wimmelt es nur so von Clowns und Raubtieren :). Wobei, nach dem die Klassenlehrerin ausgewechselt wurde, ist es deutlich angenehmer und ruhiger in unserer Horrorklasse.

8:30 Uhr die erste Unterrichtsstunde für Inez und mich heute. Ein Schülerin kommt mir auf der Treppe entgegen und fragt: „Verena, wie lange bist du eigentlich noch da?“ Ich sage „Ich gehe im Juli, das sind noch 2 Monate.“

2 MONATE!!!!!! Was? Wo ist denn die Zeit hin? Gestern warens doch noch mindestens 6, das kann doch gar nicht sein.

Kann es wohl doch! Das heißt, mir bleiben noch genau 8 Wochen hier, bis es wieder nach Deutschland geht.

Zwei Monate, das heißt:

  • noch 8x vor dem Zimmerputzen drücken
  • noch 8x Dienstagmorgens in den Schulgottesdienst gehen
  • noch 8x mit Inez Spätzle machen
  • noch 8x mittwochs für 2 Dollar ins Kino gehen

Zwei Monate heißt aber auch: noch unzählige Male

  • auf „Goodmorning Students“ ein geschmettertes „Goodmorning Teacher“ zu hören.
  • durchs Fenster das Geschehen in der „gefährlichsten Straße Panamas“ zu beobachten.
  • Reis und frische Mangos zu essen. Drei mal dürft ihr raten, was mir lieber ist…

Nee, das ist weder Reis noch eine frische Mango, sondern frittierter Fisch und Patacones (frittierte platgemanschte Kochbananen – schmeckt aber lecker)

  • von Kindern umarmt zu werden und Briefchen in die Hand gedrückt zu bekommen, auf denen „Te quiero“ (ich mag dich) steht.
  • bedauern, dass ich bald gehe.
  • mich auf Deutschland, mein Zuhause und meine Familie zu freuen.

im Ureinwohner-Style, orginal Embera-Röcke, nur das die dazu oben ohne gehen…

Ich genieße die Tage mit den Mädchen im Mädchenheim. Fragt jemand, wie viele Mädchen hier leben, werden Inez und ich immer mitgezählt. Ein schönes Gefühl, dazuzugehören und Teil einer großen Familie zu sein. Und bei 14 Mädels findet man eigentlich immer ein paar Mädchen, mit dem man rumalbern oder sich einfach nur über Dies und Das unterhalten kann. Oder ihnen bei ihren Hausaufgaben helfen kann. Oder man kann versuchen ihnen Englisch beizubringen. Was aber irgendwie ziemlich aussichtslos ist. So endet die Englisch-Nachhilfe meist damit, dass ich ihnen die benötigten Sätze oder Wörter übersetzte und aufschreibe oder ihnen den zu lesenden Englischen Text in Spanischer Lautschrift aufschreibe, damit sie am nächsten Morgen in der Schule wenigstens irgendwas vorweisen können.  Zu unserer Schande muss man nämlich sagen, dass die meisten Mädchen inzwischen mehr Deutsch als Englisch verstehen. „Guten Morgen“ erkennen sie inzwischen alle und auch Wörter wie „Bis morgen“, „Scheiße“ und „Frosch“ sind schon fest im panamaischen Wortschatz verankert. 🙂

so ein verlängertes 1.Mai-Wochenende muss man doch nutzen: der Vulkan Baru auf 2000m Höhe morgens um 7 Uhr!!

Apropos Wortschatz. Das Spanisch klappt inzwischen sogar ganz gut. So nach 6/7 Monaten hats KLICK gemacht, wie man so schön sagt. Ich bin zwar noch weit davon entfernt fließend oder fehlerfrei Spanisch zu reden, von dem Gedanken habe ich mich schon lange verabschiedet. Aber ich verstehe, das Meiste, was gesagt wird und rede Spanisch ohne groß darüber nachzudenken. Inzwischen stehe ich auch drüber, wenn man mich mal wieder auslacht. Denn manchmal kommen immer noch Sätze aus meinem Mund, die bei genauerem Nachdenken nicht mal ich selber verstehen würde. Wobei, viele würden jetzt wohl anmerken, dass mir das auch auf Deutsch hin und wieder passiert…

Inez und Verena im nationalpark

Blättere ich in meinem Tagebuch zurück, dann erinnere ich mich an viele kleine Momente, die ich darin festgehalten habe, weil sie mich zum Nachdenken, zum Lachen oder zum Traurig sein gebracht haben.

Ein 4-jähriges Mädchen, dass Inez verwundert gefragt hat, warum sie sagt, ihre Mama sei in Deutschland. Ihre Mama sei doch hier neben ihr und dann hat sie auf mich gezeigt. Äh ja, seh ich wirklich schon so alt aus??

Oder Yimara, ein 13-jähriges Mädchen. Als sie erfahren hat, dass ich nur noch zwei Monate da sein werde, hat sie mich umarmt und ungelogen erst 3 Minuten wieder losgelassen. Den ganzen Tag hat sie mich traurig angeschaut und ist nicht mehr von meiner Seite gewichen ist.

8-jährige Kinder, die eine Woche Schulausschluss bekommen, weil sich nicht mal mehr die Psychologin mit ihnen zu helfen weiß.  Und kommen sie nach einer Woche wieder, machen sie fast sofort genauso schlimm weiter wie vorher.

Oder unser Ausflug mit den Mädels eines Abends ins Kino. Ein Pfarrer hat uns hingefahren. 12 in seinem Auto auf den 4 noch freien Sitzen, wenn das mal kein neuer Rekord ist! Nachdem wir nach einer halben Stunde Diskussion vor der Kasse uns endlich auf einen Film einigen konnten, hieß es noch Popcorn und Cola kaufen. Ich muss heute noch lächeln beim Gedanken an das Gesicht des Kassierers als wir drei Mädels, die zum Essen holen abkommandiert wurden, 11 Packungen Popcorn bestellt haben 🙂

Playa Las Lajas – einfach gigantisch

Ich genieße jeden einzelnen Tag in meinem neuen Zuhause hier in Panama und freue mich gleichzeitig wie unglaublich auf mein altes Zuhause in Tübingen. Ich weiß, 2 Monate werden länger sein, als ich denke, aber gleichzeitig sind sie auch irgendwie kürzer als ich will.

PS: da hab ich ja noch was vergessen:

– Eigenartige Gesetzte Panamas, die man auch in Deutschland einführen sollte –

* Wenn der Präsident sagt, dass der erste Mai-Feiertag zwecks verlängertem Wochenende auf den Montag, 30. April verschoben wird, dann ist das so und alle müssen am Tag der Arbeit arbeiten.

* Stirbt ein Ex-President Panamas so bekommen ALLE Panamaer  und deutsche Freiwillige einen Tag frei !!

Und so genieße ich heute mein zweites verlängertes Wochenende hintereinander 🙂

Lieber Osterhase

Lieber Ostehase!

Querido conejito de Pascua!

 

„Ich bin sehr, sehr traurig, bis heute habe ich gewartet, ob du vielleicht doch noch auftauchst, aber du bist nicht gekommen 😦 . Nicht, dass du das jetzt falsch verstehst, zu mir bis du schon gekommen,

(Danke, für die Ostergrüße, Ostertelefonate und Osterpäckchen!!!)

aber die panamaischen Kinder hier hast du, lieber Osterhase, wohl irgendwie vergessen.

Der Weg nach Panama war wohl einfach zu weit oder vielleicht machst du es wie die Briefe und Packete und kommst erst 3 Monate später? Oder vielleicht hast du noch gar nicht mitgekriegt, dass die Kinder in Panama jetzt auch den Osterhasen kennen und sehnsüchtig erwartet haben. Denn deine treuen Helfer Inez und Verena haben wirklich alles getan, damit dir hier ein großartiger Empfang bereitet wird:

stolz wie Oscar auf seinen ersten Osterhasen 🙂

Okay, ehrlich gesagt, haben wir selbst nicht mehr so ganz damit gerechnet, dass du kommst, nach der Sache mit den Lindt-Hasen. Du hast mir doch im Voraus schon 4 süße kleine Lindthäschen geschickt. Die sind aber schon vor Sehnsucht im Paket vor sich hin geschmolzen, sodass ich ihnen erst mal eine Schockfrost-Kur im Kühlschrank verpasst habe. Ja, jetzt weiß ich auch, dass das ein Fehler war. Tja, deine kleinen Schoko-Verwandten fielen leider ein paar gefräßigen panamaischen Kindern in die Hände, die sie nicht zu schätzen wussten und einfach mit Ohren und Glöckchen aufaßen! So was Blödes aber auch! Aber sie haben es bestimmt nicht böse gemeint, da kannten sie dich ja noch gar nicht.

Tafelbild: Ostern in Deutschland

Tafelbild: Ostern in Deutschland

Somit stand schon alles unter einem schlechten Stern und wahrscheinlich warst du so sauer (wie ich übrigens auch), dass du Panama und den Chorrillo-Kids keine weitere Beachtung mehr geschenkt hast.

Schülerinnen beim Osterhasen malen

Da hast du aber was verpasst! Denn wir haben einen Tag lang in allen Klassen von dir erzählt. Von dem kleinen schüchternen Häschen, das ganz leise hoppelnd kommt, während alle Kinder im Gottesdienst sind. Dass du im Garten bemalte Eier und Schokolade versteckst. Und dass in Deutschland immer alle Kinde sofot in den Garten rennen und die Ostereier suchen. Du bist doch ein kleiner süßer Hase, oder? Hoffentlich haben wir da jetzt nichts Falsches erzählt. Und weißt du was? Unsere Schüler waren sogar richtig begeistert, sie haben zugehört und sind ganz still geworden, als wir erzählt haben, dass dich noch niemand auf der ganzen Welt gesehen hat!

Schritt eins: Eier ausblasen, Rührei machen und aufessen 🙂

Aber es ging noch weiter: da wir nicht sicher waren, ob deine Eier den Flug (oder wärst du mit dem Schiff gekommen??) überstehen, haben wir schon mal selber welche bemalt. Nur zur Sicherheit. Das war vielleicht ein Spaß, auch wenn mehr Farbe an Kleidern, Gesichtern und Wänden landetet als auf den Eiern :).

Schritt 2: hochkonzentriert das ausgeblasene Ei bemalen

Schritt 3: Farbe auf Gesichter und Wänden verteilen und das Ei so lange in der Hand halten, bis alle Farbe an den Händen und das Ei wieder weiß/braun ist

Dann waren Inez und ich uns auch nicht mehr ganz sicher, ob du nur kommst, wenn man auch an Ostern in die Kirche geht oder ob dir das egal ist. Wir haben uns auf einen Kompromiss geeinigt, ich hoffe das war ok? Wir waren uns einfach nicht sicher, ob du wirklich nach Panama kommst, lieber Osterhase und wollten ja auch die panamaischen Traditionen nicht verpassen. Die bestehen neben Eierbemalen (ja, das machen sie auch und dann verstecken sie eine kleine Süßigkeit in den Eiern 🙂 ) eben aus Kirche, Gottesdienst, Kirche und nochmals Gottesdienst.

Zwei Tage haben wir das auch mitgemacht. Es gab zum Auftakt in die Osterwoche (Semana Santa, wie sie hier heißt) einen wunderschöne Palmprozession am Palmsonntag (Domingo de Ramos). Und irgendwie fühlt sich das Ganze auch viel authentischer an mit echten Palmen, statt nur mit Buchszweigen. Nach 2 Stunden singend und betend in der prallenden Sonne quer durch Chorrillo laufen, hatte ich dann aber auch genug vom authentischen Gottesdienst. Aber es wäre ja nicht Panama, wenn das schon alles wäre. Der ganze Prozessionszug zog feierlich in die, mit Palmzweigen geschmückte, Kirche in unserer Einrichtung ein und es gab nochmal einen 2-stündigen Gottesdienst, mit ganz viel Gesang und Tanz.

Die Kirche hier läuft auch ziemlich anders ab. Normalerweise gibt es jeden Tag 2-3 Gottesdienste (misas). Jeden Tag!! Die sind aber alle eher schlecht besucht [von Inez: das weißt du doch nicht…du gehst doch nicht 3 mal täglich in die misa :D:D…], obwohl hier eigentlich ein Großteil der Bevölkerung katholisch ist. Hier in der Einrichtung ist eingentlich nur an den Festtagen die Kirche voll oder am Dienstagmorgen, wenn Schulgottesdienst ist. In den Kirchen wimmelt es von Heiligen Figuren und nicht selten, steht hinter dem Altar die Heilige Maria und nicht das Kreuz. Eine Orgel hab ich hier in noch keiner Kirche gesehen, Musik machen immer verschiedene Gruppen mit Gitarre und Gesang, eigentlich auch ganz schön. Liederbücher gibt es auch nicht, alles wird auswendig gesungen und die Lieder sind meistens mit verschiedenen Klatschrythmen oder Bewegungen ausgestattet. Natürlich gibt’s auch Minis in Panama, hauptsächlich sind das die Jungs aus dem Jungsheim, ein paar Mädels sind auch dabei. Minis bestehen hier aber nicht so wie in Deutschland als eigene Gruppe, sondern ministrieren einfach nur im Gottesdienst und sind mega stolz drauf :). Ich gehe jeden Woche dienstagsmorgens in den Schulgottesdienst, der ist immer total lebendig, mit 700 Schulkindern, die mehr oder weniger motiviert dabei sind und zum Beispiel die Fürbitten vorlesen (auf Spanisch und Englisch! obwohl man beim englischen Teil nicht ein einziges Wort versteht und es genau so gut Chinesisch sein könnte :).

Uuuups lieber Osterhase, jetzt bin ich wohl ein bisschen vom Thema abgewichen, es ging ja eigentlich um Ostern in Panama und nicht um Kirche. Also wieder zurück zu Ostern.

Wir hatten von Gründonnerstag bis Ostermontag frei (komischerweise hatte nur unsere Schule am Ostermontag frei, alle anderen mussten wieder arbeiten gehen). Nach einem gemütlichen Gründonnerstag sind wir abends mit allen Mädchen in den Gottesdienst gegangen. Der war ganz traditionell mit Fußwaschung von 12 Gemeindemitgliedern und so weiter und so fort. Doch nach dem sehr langen feierlichen Gottesdienst wars noch nicht vorbei, die Lichter wurden ausgemacht, die Bänke in Richtung Seitenaltar mit Tabernakel gedreht, der über und über mit Blumen und Lichtern geschmückt war. Die ganze Nacht über gabs so ne Art liturgische Nacht. Immer im Stundenrhythmus kamen andere Gemeindegruppen, haben Gebete und Liedtexte vorgelesen und gesungen. Die Kirche blieb die ganze Nacht offen, im gefährlichen Chorrillo etwas Besonderes! Und es wurde bis morgens um 8 Uhr in der Kirche gewacht und gebetet. Glaube ich zumindest, denn ganz so lange habe ich es dann doch nicht durchgehalten :), obwohl dort in der dunklen Kirche eine ganz besondere Stimmung herrschte.

Soviel zum Thema Gottesdienst, denn da Inez und mir durch unsere langjährige Ostererfahrung klar war, dass wir unseren Osterbesuch (genau, damit bist du gemeint, lieber Osterhase) vor Sonntag eh nicht sehen würden, haben wir die Einladungen von Freunden angenommen und sind zu ihnen in ein Appartment in einem Beach Resort direkt am Strand gefahren. Dort war es mega luxuriös. Wir hatten von der Terasse aus einen traumhaften Blick auf die Bucht der Playa Blanca und Pool bzw. Strand direkt vor der Nase. Naja, ich bin kein Fan von so rießen großen Beach Resorts, mit Hotels, Hochhäusern, Gartenanlagen, Sicherheitsservicen und eigenem abgetrennten Strand, aber die Panamenos stehen drauf. Und die, die es sich leisten können, mieten fast alle eine kleine Wohnung in so einem Resort, um die Wochenenden und Feiertage genießen zu können. Auf jeden Fall hatten wir dort multikulturell mit Gästen aus Deutschland, Schweiz, Schweden, Mexico und natürlich den Panamenos jede Menge Spaß.

Am Ostersonntag fuhren wir dann nachmittags wieder zurück nach Panama-City. Naja „fahren“ ist vielleicht ein bisschen übertrieben, denn kaum hatten wir das Beach Resort-Gelände verlassen, reihten wir uns in den Mega-Super-Stau ein und rollten im Schritttempo 4h (normalerweise braucht man knappe 1,5 Stunden! ) bei über 30 Grad mit tausenden anderen Panamaern Richtung Hauptstadt. Ja, die panamaische Verkehrssituation ist wirklich nicht so ganz glücklich gelöst. Wahrscheinlich warst du sogar in Panama, oder mein lieber Herr Osterhase? Nur standest du im Stau und kamst zu spät. Es gibt nämlich eigentlich nur eine Art Autobahn, die sich von Norden nach Süden durch Panama zieht, die Panamericana. Sie ist eigentlich die einzige Verbindung zwischen der Hauptstadt und dem sogenannten Interior (eben das Land, im Gegensatz zur Stadt). So kann man sich wenigstens nicht verfahren :). Blöd nur, dass wenn an Feiertagen alle gleichzeitig frei haben. Denn dann wird die Großfamilie ins Auto gepackt und alle fahren Richtung Verwandschaft aufs Land. Da ist auf der 2-spurigen Straße das Verkehrschaos ja schon vorprogrammiert und kann auch von noch so vielen Polizisten am Straßenrand nicht verhindert werden.

Nein, ich hab dich nicht vergessen Osterhase, also zurück zum Thema Ostern. Auf jeden Fall kamen wir dann, am Ostersonntag, braungebrannt wieder in Panama an und wurden von den Mädels mit großen Augen empfangen, denn die wollten sofort Eier im Garten suchen. Aber wir und sie wurden bitter enttäuscht, denn da waren natürlich keine, weil du nicht gekommen bist. Arme Mädchen! Wir haben dann noch mit ihnen Osterabendessen gegessen und sind am nächsten Tag mit ihnen raus zum Fußballspielen und Mango pflücken gegangen. Wir haben richtig viele, unreife 🙂 Mangos gegessen, aber kein einziges Nestchen von dir gefunden!

Auf jeden Fall schreibe ich dir, weil ich es ungerecht finde, dass die Kinder hier ohne Osterhasen aufwachsen müssen, also beweg wenigstens nächstes Jahr deine Hintern hierher und versteck die Eier und Schoko-Osterhasen!

Lieber Osterhase, es waren trotz allem schöne Osterfeiertage, die waren zwar anders, als ich es aus Deutschland gewohnt war, aber trotzdem schön. Ich hoffe, du hattest ebenfalls einen nicht zu stressigen „Feliz Dia de Pascua“. Hoffentlich bist du jetzt nicht böse, wegen meines Briefes, ich wollte dich nicht verärgern, nur bitten, das du nächstes Jahr, die Kinder in Panama nicht vergisst und vergiss auch nicht, mein Nestchen nicht in Panama zu verstecken, denn nächstes Ostern wird wieder in Deutschland gefeiert!

Ich wünsche dir bis zum nächsten Jahr „glückliche Eier“

Muchos besitos para ti, conejito de pascua

deine Verena

PS: Ich weiß nicht, wie ich dir den Brief schicken soll, denn auf facebook, findet man dich nicht, also hoffe ich einfach mal, dass du meinen Blog regelmäßig liest ;)“

unsere oginal klassischen Sch(n)upfnudeln

Kämpfe und Kässspätzle

So, es wird wohl langsam Zeit für den nächsten Blogeintrag. Warum das so lange gedauert hat? Ich wusste einfach nicht über was. Nicht, dass ich nichts erlebe, nein, so ist es dann ja auch nicht. Nur ist mir gerade eben wohl bewusst geworden, dass alles so normal ist, dass es sich für mich nicht mehr lohnt, darüber zu schreiben. Aber jetzt fange ich halt einfach mal an, meistens kommt dann doch noch was Gutes dabei raus 🙂

Ausflug zum Amador mit den Heimmädels

Ich könnte über Unterrichtsmethoden, Englisch Vokabeln und Kinder berichten, mit denen ich einfach nicht mehr klarkomme. Die ausrasten, wenn man einmal was von ihnen will, die um sich treten, Stifte nach dir werfen und es fertig bringen, dass du ein ganz anderer Mensch wird, sobald du ihre Klasse betrittst. Das du rumbrüllst, sie fertigmachst und es dir plötzlich egal ist oder sogar recht, wenn sie schlechte Noten schreiben. Deshalb ist gerade irgendwie jeder Tag ein Kampf und meistens verlieren beide, die Schüler und ich. Inzwischen sind es nur noch 12 Schüler, die sich daneben benehmen (die Horrorklasse aus dem letzten Blog wurde in zwei Klassen (Mädchen und Jungs) aufgeteilt), aber sie reichen, um dir den Tag zu verderben. Deshalb bin ich traurig, denn ich will, dass sie wenigstens ein paar English Vokabeln lernen und mit 12 Jungs, die durchs Klassenzimmer rennen, raufen, schreien usw und wahrscheinlich am Tag nicht mal 5 Minuten auf ihrem Platz sitzen, ist das einfach unmöglich. Aber genug davon, Inez und ich versuchen unser Bestes, spielen, singen, malen mit ihnen. Und seid der Klassenlehrer mit uns im Klassenzimmer bleibt, ist es auch ein klitzekleines bisschen besser. Es hilft auch, sich klarzumachen, dass die meisten der Jungs zu Hause nach der Schule keine richtige Familie erwartet, keine Mama, die fragt wie die Schule war und kein Papa, der sie Englisch-Vokabeln abfragt. Viele leben bei ihrer Großeltern, die häufig selbst weder Kraft noch Zeit und Geld haben, um sich um sie zu kümmern. Das schlechte Benehmen in der Schule ist dann wohl die einzige Möglichkeit, wie sie zu Hause ein bisschen Aufmerksamkeit bekommen. Da baden dann wohl die Lehrer aus, was einige Eltern nicht schaffen…

Viel Zeit, sich von der Klasse  zu unterholen bleibt aber nicht. Denn wenn um 3 Uhr nachmittags dann endgültig die Schule aus ist, bleibe ich noch mit einer 1.Klässlerin da und übe mit ihr Schreiben, Lesen, Zählen und Rechnen, bis ihr Papa um 5 von der Arbeit nach Hause kommt. Das stellt mich vor ungeahnte Schwierigkeiten, denn um Rechnen und Schreiben zu lehren, fehlen einfach immer noch die richtigen Worte. Aber Stück für Stück kann sie sich die Zahlen 1 – 10 inzwischen sogar merken und ein A von einem E unterscheiden :). Allerdings hapert es so ein bisschen an der Aussprache beim Lesen, sie wird wohl für immer Spanisch mit deutschem Akzent lesen 🙂 (Was da wohl die Mama dazu sagt???)

auf dem Gentlemankonzert

Was es sonst noch Neues gibt:

Wir hatten in den letzten Wochen viel Besuch. Lea und Ronja, ebenfalls zwei Freiwillige für ein Jahr in Panama, waren ein Wochenende bei uns in der Einrichtung, haben sich die Schule angeschaut und mit uns einen weiteren deutschen Besucher empfangen. Denn Gentleman, ein deutscher Reggae-Musiker hat ein Openair-Konzert in Panama gegeben, wo wir, als treuste Fangemeinde 🙂 natürlich nicht fehlen durften. Laut Eintrittskarte sollte das Konzert um 13 Uhr nachmittags anfangen, naja dreimal dürft ihr raten, wann Gentleman die Bühne betreten hat: 15 Uhr – falsch, 17 Uhr – falsch, 20 Uhr – genau so wars, 7 Stunden später! Gut, dass wir wenigstens den kleinen Tipp bekamen und erst um halb vier beim Konzert aufgetaucht sind und nicht schon viel viel früher. Also auch wenn ich hier vielleicht wieder gehe ohne perfekt spanisch zu reden, im Warten bin ich hier inzwischen echt spitze.

Natasche, Inez und ich vor den Ruinen vom "Alten Panama"

Dann haben wir Panama noch mal ganz neu mit Natascha, einer Freundinn von Inez, entdeckt, die für knapp eine Woche zu Besuch war und dank ihr auch die „Orginal schwäbischen Kässpätzle“, die für 5 Tage unser Abendessen waren :), entdeckt. Die wurden von uns einfach mal zum deutschen Nationalgericht erklärt und so sah man uns in den letzten Wochen ganz ganz häufig in der Küche Kässpätzle machen, das ist doch auch wirklich mal was anderes, nach dem ganzen Reis. Genau, Inez und ich tun wirklich unser Bestes, echte schwäbische Hausfrauen zu werden 🙂 So haben wir auch schon Schupfnudeln gemacht und uns heute an ein rustikales Landbrot gewagt (die Brotbackmischung ist dann auch endlich angekommen, danke liebe Nürtingers). Die Panameños konnten wir aber noch nicht so ganz davon überzeugen, die stehen dann doch mehr auf Reis und Toastbrot tagtäglich.

So, jetzt ist ja doch noch n ganz ordentlicher Eintrag geworden, der nächste folgt dann, wenn ich die Ostertage gut über die Runden gebracht habe.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein schönes und besinnliches Osterfest, ich denke an euch

Abrazos y besitos

Marienaltar im Meer vor der Insel Taboga

Verena

Abenteuer „I love school“

Ja, ich bins schon wieder, aber es gibt auch so einiges zu berichten, nämlich:

Die Schule hat vor einer Woche wieder angefangen! Das heißt nach den langen Ferien beginnt endlich wieder der Alltag, meine Arbeit. Das heißt aber nicht, dass es weniger aufregend wird oder wir weniger Abendteuer erleben als in den Ferien, im Gegenteil! Denn Inez und ich sind befördert worden :).

Da die Schule jetzt eine Klassenstufe mehr hat, nämlich die 6. und damit eine „richtige“ Grundschule ist, wurden natürlich auch die ein oder anderen neuen Lehrer eingestellt. Da ein Englischlehrer aber eine Woche vor Schulbeginn das Handtuch geschmissen hat, werden Inez und ich kurzerhand seine Klassen erstmal übernehmen, bis Ersatz gefunden ist. Auf panamaisch-spanisch heißt das dann wahrscheinlich, bis wir gehen, werden wir die Klassen haben. 🙂

Tja und da hatten wir den Salat. Zwei Dritten Klassen und einmal Vorschulkinder wollten von uns bespaßt, kontrolliert und auf Englisch unterrichtet werden. Das hört sich jetzt wohl leichter an, als es ist, denn ich werde nicht müde zu betonen, dass die Kinder hier Feuer unterm Hintern haben.

Denkt an einen Schüler aus eurer Schulzeit, der immer nur gestört hat, nie mitgemacht hat und ganz sicher Aufmerksamkeitsdefizitstörungen (oder wie auch immer das heißt) hat. Dann klont ihn und setzt 22 von ihnen in eine Klasse, die von morgens bis nachmittags nur abschreiben müssen und keinen Bock auf Englisch haben. (damits noch lustiger wird, kann man auch noch 3 fleißig-brave schüchterne Mädchen dazutun und alle in einer fremden Sprache reden lassen 🙂 )

Aber Inez und ich sind ja inzwischen richtige Ghetto-Chorrilleras geworden und wie Tiger und Bär, die nach Panama aufgebrochen sind, fürchten wir uns vor absolut gar nichts (von Mäusen im Mädchenwohnheim und Telefonanrufen auf spanisch vielleicht mal abgesehen :))! Also haben wir Unterricht geplant, Lieder rausgesucht und sind mit guten Vorsätzen in die Woche gestartet. Also wie wars:

Vorschulkinder beim entspannenden Filmschauem am Freitag

Die Vorschulkinder erwiesen sich als Selbstläufer. Singen, spielen, wiederholen, malen, möglichst auf Englisch. Nicht ganz einfach, denn sie können weder schreiben noch lesen, aber machbar. Mit viel Geduld werden wir also nicht müde jeden Tag den „red circle“ vom „blue triangle“ zu unterscheiden.

3 B, die Engel

In der Klasse 3B sind mehr oder weniger die Engel unter den Teufelchen zu finden. Für deutsche Verhältnisse benehmen sie sich schlecht, für hießige Verhältnisse gut.

Vokabelkärtchen an der Klassenwand

Wir haben geübt, uns auf Englisch vorzustellen, die Wörter für die Gegenstände im Klassenzimmer und für die Kleidung wiederhohlt und hatten viel Spaß miteinander. Somit freue ich mich jeden Tag aufs Neue, sie mit „Goodmorning, students!“ zu begrüßen.

Ach ja, sie sind ja eigentlich schon ganz süß...

Vor allem huscht mir jedes Mal ein Lächeln übers Gesicht, wenn sie seit Neustem „May I go to the bathroom?“ auf Englisch fragen. Und wir haben es geschafft, dass ein Schüler vorne auf Englisch redet und ihm alle zuhören. Da bin ich echt stolz drauf!

Yuhu, Gruppenarbeit

Also alles wunderbar, wenn da nicht die 3A wäre. Die sind eindeutig die Könige unter den Raufbolden und Unterrichtsverweigern, so dass Inez und ich schon in der ersten Woche total an unsere Grenzen mit der Klasse kamen.

Es wurde auf Tischen und Stühlen getanzt, rumgerannt, geprügelt, gekratzt bis Blut floß und Papier durch die Luft geworfen. Es war, als ob Inez, ich oder ein anderer Lehrer gar nicht da wären. Jetzt hört sich das alles irgendwie ziemlich lustig und unglaubwürdig an, aber ich kann euch sagen, es war gar nicht lustig. Ich stand plötzlich vor, hinter oder in der Klasse und wusste einfach weder ein noch aus. (Inez und ich schmieden schon Pläne für versteckte Videokameras, damit ihr euch das vorstellen könnt 😉 )

Es war für uns und auch für andere „richtige“ Lehrer einfach unmöglich, diese Klasse im Griff zu haben. Ich bezweifle sehr, dass es in den nächsten Wochen besser wird. Deshalb bin ich jedes Mal nach dieser Klasse einfach nur enttäuscht, geschockt, fertig und traurig. Es ist für mich unvorstellbar, dass es Kinder gibt, die einem mit so wenig Respekt begegnen, die nach dir treten, dich aufs Übelste beschimpfen und kein Interesse am Lernen haben :(.

Ich hab keine Ahnung wie das weitergehen soll und wie wir jeden Tag eine Stunde Unterricht bei ihnen überleben sollen. Gut, dass wir wenigests die volle Unterstützung der Direktorin und der anderen Lehrer haben. Sie helfen uns bei der Vorbereitung, in der Klasse und muntern uns auf 🙂

Und wir sind ganz schön moderne Teacher: Wir machen auch Computerunterricht auf Englisch....:)

Nur gut, dass die Schule um 3 Uhr nachmittags rum ist und es dann zu den Mädels hier ins Mädchenwohnheim geht. Sie sind mehr denn je unsere Freundinnen, unsere Schwestern, unsere Familie und unsere Töchter.

Denn mit dem Schulanfang zogen 13 Mädels wieder ein und brachten wieder Schwung ins Heim. Denn die letzten Monate waren sie bei ihren Familien und wir hatten das Heim für uns. Alle waren wieder da und mir wurde klar, wie sehr ich sie doch vermisst hatte.

Dass man sie umarmt, ihnen ein Küsschen gibt und sie dich einfach nur anlächeln. Dass sie dein ganzes Zimmer in 5 Minuten auf den Kopf stellen können und dir Löcher in den Bauch fragen. Und dass sie sich aus Wäschetonnen Schwimmbäder bauen und tropfnass und schreiend durchs ganze Heim rennen, um dir davon zu erzählen :).

Wir waren froh und glücklich, dass sie wieder da waren und haben kurzerhand eine Fiesta (eine „Willkommen-zurück-Party) für alle geschmissen.

Bienvenidas - Willkommen mit den Unterschriften aller Mädels

Bienvenidas - Willkommen mit den Unterschriften aller Mädels

Es gab Girlanden, Soda und wir haben Pizza und Pudding mit allen gemacht. Das war für sie was ganz Besonderes: sie wussten nicht, dass man Pizza selber machen kann. Und waren ganz überrascht, wie wir auf die Idee kommen konnten, Mais und Paprika und Thunfisch auf die Pizza zu tun 🙂

Aber Hauptsache es hat allen geschmeckt, genauso wie unser „original deutscher Nachtisch“ – der Pudding. Ein Dankeschön haben wir mal wieder nicht bekommen, so sind sie halt. Aber ihre glücklichen Gesichter und der Feuereifer, mit dem sie die Pizza belegt haben, sprachen für sich. Wie auch ihre erstaunten Gesicher, dass es eine Feier gibt, einfach nur (beziehungsweise, gerade deswegen) weil sie alle wieder da sind.

Die Monate hier werden immer weniger und genau deshalb freue ich mich umsomehr über die nächten Monate hier im Heim mit der Rasselbande.

Äh, ja aus dem restlichen Teig wurden kurzerhand Männchen gebaut und durch genug Mehl zu Schneemännern umfunktioniert :)

Äh, ja aus dem restlichen Teig wurden kurzerhand Männchen gebaut und durch genug Mehl zu Schneemännern umfunktioniert 🙂

 

Ausflug mit den Kiddies zum Schwimmbad

Und wirklich, es war ein glücklicher Sommer, genauso wie es auch eine Woche lang für rund 60 Kinder aus El Chorrillo hies: Auf gehts zum „Verano Feliz“ (glücklicher Sommer). Die Kinder trotteten mehr oder weniger pünktlich um 8 Uhr in der Einrichtung ein und wollten bis 5 Uhr abends in der Einrichtung beschäftigt werden. Das hieß dann volles Programm von morgens bis abends: Singen, Tanzen, Spiele spielen, Ausflüge, Fußballturnier oder 3 Stunden lang „Bei Müllers hats gebrannt-brannt-brannt“ spielen. Alles besser, als das die Kinder den ganzen Tag auf der Straße abhängen.

Pinata schlagen und mächtig Spaß haben....

Das Tollste an dieser Woche war jedoch, dass wir dieses Sommerferienprogramm mit der kircheneigenen Jugendgruppe, an die 20 waschechte Jugendliche aus El Chorrillo, vorbereitet und durchgeführt haben. Die Jugendlichen haben es weis Gott nicht einfach, ihre Eltern interessieren sich meist ganz und gar nicht für sie, sie erleben die Auswirkungen der Bandenkriege hautnah, haben Väter, Brüder und Freunde verloren und haben absolut nichts.

Aber sie genießen das Leben in vollen Zügen, reißen einen Witz nach dem anderen, sind fröhlich und wenn man hinter ihre „Ghetto-Fasade“ schaut, sind sie unglaublich herzlich, teilen was sie haben und kümmern sich um jeden, der traurig ist. Sprich, man muss sie einfach bewundern und gernhaben. Sie sind alle miteinander ganz besondere Persönlichkeiten und ich bin einfach nur froh, sie kennengelernt zu haben.

Kaum war unser Ferienprogramm zu Ende, so bereitete sich ganz Panama auf eine Woche Ausnahmezustand vor. Im Fernsehen, in der Zeitung, auf der Straße und überall sonst noch, gab es nur noch ein einziges Thema:

…Fasnet hemr, narret semr…

Naja, so ähnlich. Ganz Panama feierte die letzten Tage vor Aschermittwoch mit „Los carnavales“. Doch halt, ganz Panama? Nein, ganz so einfach ist es dann ja auch nicht. Die richtigen, ursprünglichen „Carnavales“ findet man nämlich nur aufm Land, in den Dörfern. Da Inez und ich dieses Spektakel auf keinen Fall verpassen wollten, sind wir mit Lydia, einer Altenpflegerin, die auch in unserer Einrichtung arbeitet zu ihrer Familie aufs Land in ein kleines Dörfchen gefahren. Und da waren wir dann plötzlich in einer ganz anderen Welt. Hühner und Hunde liefen im ganzen Dorf frei herum, das Plumsklo und die Dusche befanden sich für alle sichtbar mitten auf dem Hof und jeder war mit jedem, sprich mit unser Gastgeberin Lydia verwandt.

Klo und Dusche

Und wir, ihre neuen Freundinnen aus dem fernen Deutschland wurden natürlich auch allen ganz stolz vorgestellt. Tja, die panamaischen Familien sind halt ein bissle größer. So haben wir die vielen Onkels, Tanten, Cousins, Cousinen, Brüder, und so weiter alle kennengelernt. Aber das war noch nicht alles, wir haben die ganze Familie ziemlich erheitert, da wir von panamaischen Früchten und was man daraus machen kann, wohl doch nicht so viel Ahnung hatten. Ich meine, ich kannte Bananen, Ananas, Mango und co, man sollte meinen das reicht…aber so kamen wir in den Genuss von vielen panamaischen Früchten (die Namen hab ich schon wieder alle vergessen), einer Motorradfahrt und ganz, ganz, ganz frischem Fisch. „Unser“ Dorf lag nämlich ziemlich nah am Strand (Was bitte ist in Panama nicht nah an irgendeinem Strand??) und so wurde am Sonntag die ganze Familie (sprich mit Kindern über 30 Personen!!), samt Kühlboxen, auf einen Jeep geladen, es wurden noch schnell die Kinder durchgezählt und ab ging die Fahrt zum Strand.

Jeep auf, Großfamilie rein, Jeep zu!

Dort hat man dann von irgendeinem Cousin einen riesen Sack Fische gekauft und natürlich auch sofort am Strand ausgenommen, na lecker. Aber ehrlich gesagt habe ich wohl noch nie so einen guten Fisch, mit viel Zitrone, Gurken und Bananen, gegessen.

Gruppenfotos mit Cousins, Cousinen und Deutschen 🙂

Es war wunderschön sofort in ihre Familie aufgenommen zu werden und eine ganz andere Seite Panamas, fern ab vom Trubel in Panama-Stadt, kennenzulernen und nachdem wir inzwischen auch in die Feinheiten der panamaischen Ghetto-Jugendsprache eingeweiht wurden, zauberten wir den anderen ständig ein Grinsen aufs Gesicht 🙂

(Lust auf einen kleinen Grundkurs:

bandido = Bandit, männliche Person mit vielen Freundinnen, trifft wohl auf die meisten Panamenos zu 🙂

ofi = joa, ja

pollo = eigentlich ja Hühnchen, das Nationalgericht, aber auch fester Freund

chanti = Haus, Bude… )

Nidia (2. von rechts), ihre Töchter, ihre Mama und wir

Aber so schön das ganze gemütliche Familienleben auch war, es zog uns weiter, denn wir wollten mittenhinein in den Karnevalstrubel. Also packten wir unsere Sachen, verabschiedeten uns von Lydia und fuhren 2 Stunden weiter nach Santiago. Dort wohnen ebenfalls 3 deutsche Freiwillige, die wir besuchen und mit ihnen noch den letzten Karnevalstag feiern wollten.

(Woher wie sie kennen? Also, mal abgesehen davon, dass wir unwissendlich im gleichen Flieger nach Panama kamen, haben wir uns auf einem Empfang für den deutschen Außenminister, den Herrn Guido Westerwelle, kennengelernt, der Panama im Zuge seiner Lateinamerikareise besucht hat –> Beweisfoto bei „La Estrella“ – panamaische „Bild“-Zeitung 🙂

Aber wie läuft so ne panamaische Fasnet eigentlich ab?

Einmal gibt es da in jedem Ort verschiedene „reinas“ (Königinnen), die gegeneinander antreten und wie in Brasilien auf großen Wagen tanzend durch die Menge ziehen. Sie haben wunderschöne Kostüme an und lächeln die ganze Zeit mehr oder weniger entspannt, während sie Küsse in die Menge werfen. So sah es zumindest im Fernsehen aus, denn live gesehen habe ich das nicht, das hat sich irgendwie nicht ergeben. Denn mit unserer panamaischen Familie und auch später in Santiago sind wir nie weiter als bis zu den sogenannten „Culecos“ gekommen, die für mich somit den eigentlichen Karneval Panamas ausmachen 🙂

Wassertanklaster und Menschenmenge

Also, „culecos“, was ist dass? Man muss sich vorstellen, dass es an Karneval hier heiß-heißer ist, denn der fällt mitten in den Hochsommer. Schlau, wie die Panamenos sind, dachten sie sich, sie brauchen ein bisschen Abkühlung. Also werden keine Bonbons geworfen, sondern Wasser gespritzt. Wie das? Schon vormittags fahren riesige Tanklaster, bis oben hin voll mit Wasser, auf die großen Plätze in den Städten. Dort versammeln sich dann die Menschenmassen, es ist eine Bühne aufgebaut und alle Menschen tanzen zu Musik in ohrenbetäubender Lautstärke und trinken viel viel kaltes Bier und Schnaps. Und dann heißt es Wassermarsch. Feuerwehrschläuche werden an den Tanklaster angeschlossen und bis Nachmittags wird die ganze Menschenmenge am laufenden Band pitschnass gespritzt. Was für ein Spektakel. Die Menschen verkleiden sich auch nicht, von ein bisschen Haarefärben mal abgesehen, sie kleiden sich passend zum vielen Wasser im passenden „Wet-Look“. Die Panameña an sich verzichtet also auf ihre hohen Schuhe, ihre Schminke und kleidet sich in Bikini, Top, kurzer Hose und Flippflops. Und auch die Handtasche wird zu Hause gelassen. Wohin dann aber mit Handy, Geld und Co? Nun, das ganze wird wasserfest in Plastiktüten verpackt und in den Ausschnitt geschoben, praktisch, praktisch. Man muss dazu sagen, dass bei den meisten Panameñas da auch genug Platz für ein Blackberry ist :). Inez und ich haben uns natürlich mehr oder weniger angepasst und haben unseren spontanen Ausflug in die panamaische Fasnetswelt vorne bis hinten total genossen… wer noch nicht genug hat, Fotos und eine Artikel gibts auf Spiegel online.

Doch irgendwann ist auch die tollste Fasnet vorbei und es beginnt wieder der Ernst des Lebens, sprich 2,5 Monate voller erlebnisreicher Reisen und gemütlicher Tage im leeren Mädchenheim sind endgültig vorbei…

…und der nächste Blogeintrag folgt in Kürze, jetzt nachdem die Internetflaute überstanden ist…

Oh wie schön ist Costa Rica

oder:

~ Oh wie schön ist doch Panama…! ~


Hier kommt er, der einzigartige, ultimative Reisebericht über 2 Wochen Costa Rica: (und da ich euch keinen ernsten, sondern einen lustigen nächsten Blogeintrag versprochen habe, hoffe ich, dass der hier eure Kriterien erfüllt!)

Nach dem wir (Inez und ich) gefühlte Monate lang geplant, verworfen, geplant und um geplant hatten, stand die Reise endlich fest, vom 15. Januar an sollte es 1x durch Panama und das angrenzende Costa Rica gehen. Gesagt, getan. Beziehungsweise hätten wir getan, den ungefähr 2 !!! Tage bevor es losgehen sollte, bekamen wir überraschend Konkurrenz von einem Jugendcamp und einem Kinder-Ferien-Sommer-Freizeit-Program (Bald mehr dazu, wie immer hier in meinem Blog :)). Also wurden alle Reiseplanungen wieder verworfen, gekürzt und unerbittlich so lange hin- und her geschoben, bis doch noch knappe 14 Tage (4 in Panama und 10 in Costa Rica) raus sprangen. Nach dem das geklärt war, konnte es, nach einem nächtlichen Last-Minute-Rucksack-Gepacke (Wer das schon mal gemacht hat, weiß, dass das alles andere als einfach ist…) auch losgehen.

Uuuuund zwar: mit 9 Stunden Busfahrt in die „Antarktis Panamas“, nach Boquete, einem kleinen, malerischen Bergdörfchen, umgeben von Kaffeeplantagen, Blumen und märchenhaftem Nebelwald. Und diesmal war es wirklich kalt, nicht nur so „Möchtegern-22Grad-Panama-kalt“. Die Temperatur konnte gefühlt locker mit den deutsch SMS „Frieren bei – 10 Grad, wird noch kälter“ mithalten. Wenn mir mal jemand gesagt hätte, dass ich in Begeisterung gerate und es irgendwie ungewohnt und lustig finde, wenn Ohren und Nasenspitze eiskalt sind und der Atem gefriert, dann hätte ich ihn wohl für verrückt erklärt :). Und ja, liebe Mütter und Omis, ich hatte Socken, feste Schuhe, Schal und Fleece an, zum ersten Mal in Panama!, und habe tassenweise heiße Schokolade und frischen Kaffee getrunken beziehungsweise getestet. Apropos Kaffee, nach 6 Monaten Instant-Kaffeepulver hatte ich schon fast vergessen, wie man richtigen Kaffee macht. Und wie die Kaffeepflanzen und –kirschen aussehen, weiß ich jetzt immerhin auch. Soviel zum kulturellen-informellen Teil unser Reise.

Kaffee-Pflanze

zum Trocknen ausgelegte Kaffee-Kirschen

Mmmmh, frisch gerösteter Kaffee aus dem Kaffee-Röster (Ach ne 🙂 )

Dann darf man auch nicht aus Boquete weggehen ohne den einzigen Vulkan Panamas, schon seit ewigen Zeiten nicht aktiv, knapp 3000m hoch, zu besteigen, von dem man doch tatsächlich eine Aussicht auf beide Weltmeere, Atlantik und Pazifik hat!!! Hört sich toll an, oder? Aber naja, lasst uns mal vom (Vulkan-)Gipfel wieder auf den Boden der Tatsachen zurück steigen. 6 Stunden Aufstieg durch ein steiniges Flussbett, in Dunkelheit, da Start: 12 Uhr Mitternacht. Warum? Um vielleicht, falls man schnell genug ist, bei Sonnenaufgang auf dem eisigen Gipfel zu sein und vielleicht die Ozeane zu sehen, falls keine Wolken im Gipfel hängen (es gilt jedoch: Nebelwald = nebliger Wald = immer nebliger Wald = immer Wolken = sprich, wir haben die Gipfel nur ein einziges Mal in 4 Tagen gesehen!)…kurz gesagt: ein bisschen viel „Vielleichts“ fanden Inez und ich. Also ließen wir die neu gekauften Wanderschuhe, Wanderschuhe sein und vergnügten und anderweitig hoch oben im Nebelwald.

Kurz vor dem todesmutigen Sturz in die Tiefe des Nebelwalds...

"Flying Germans" 🙂 Mann, war das hoch

Irgendwann hatten wir vom kalten Wetter jedoch die Nase voll und fuhren weiter Richtung Grenze Costa Rica. Allerdings hätte mir auch mal jemand sagen können, dass ich zum Einreisen meinen Reisepass brauche…warum denn bitteschön das, wenn ich von Deutschland nach Frankreich will, brauche ich den ja auch nicht :). Während ich morgens um 7 schon in der nächsten Stadt auf den Bus nach Costa Rica wartete, schlummerte besagter Reisepass noch friedlich im idyllischen Bergdörfchen, tja Pustekuchen, dass war dann schon mal gleich nix. Inez ist also gezwungenermaßen gemütlich frühstücken gegangen, während ich 2 Stunden Extra-Busfahrt in Kauf nahm (Juhu, mit 9 weiteren nach Costa Rica in Aussicht macht es richtig Spaß, die gleiche Strecke noch zwei Mal zu fahren!), um dieses kleine unglaublich wichtige rote Heftchen zu holen. Somit stand unserem Grenzübergang nix mehr im Wege und 1, 2, 3, 4, 5 Stempel an verschiedenen Stationen später, waren wir dann auch draußen aus Panama und drin in Costa Rica, juhu!

Und? Wie ist Costa Rica? Tja, für euch, aus Deutschland, wahrscheinlich gar nicht so ein großer Unterschied zu Panama. Auch ein Land in Zentralamerika, die Menschen sprechen Spanisch, es gibt Urwald und Karibikstrände, nur, dass die Taxen nicht gelb, wie in Panama sind, sondern rot)

Ich finde Costa Rica toll, aber Panama ist eigentlich auch ganz schön :),vor allem, kenne ich mich in Panama jetzt aus. Ich weiß, wie die Menschen reden und was es bedeutet, wo die Orte liegen und was es kostet, dort hinzufahren…anders als in Costa Rica, aber mal im Ernst, wie ist Costa Rica?

* ein bisschen wie MONOPOLY spielen :). Nicht nur, weil es Straßen und Häuser und Hotels gibt, wer hätts gedacht, nein. Sondern weil man ständig mit 1000-, 4000- oder 10 000-ern zahlt und man sich beim Rückgeld so fühlt, als ob man über LOS gezogen wäre, statt nur Brot und Saft gekauft zu haben :). Die Währung heißt Colones und 10 $ ( 7 €, irgendwie fällt es mir schon schwer, in Euro zu rechnen 🙂 ) sind stolze 20 000 Colones!

* außerdem ist Costa Rica teuer…Jaa, ich kann umrechnen, beziehungsweise Inez kann auch die krummsten Tausenderzahlen umrechnen, aber Essen und Lebensmittel sind eher deutsches Preisniveau, das heißt, wo ich in Panama 3 Dollar zahle, sind es hier 8 Dollar! Egal ob im Supermarkt oder im Restaurant, wo dann auch noch immer 13 % Steuern und Trinkgeld auf den Preis drauf kommen.

* landschaftlich gesehen, ist Costa Rica eigentlich ähnlich wie Panama: Strand (Atlantik und Pazifik), Urwald, Dörfer, nur, dass alles viel, viel touristischer ist. Viele Ladenbesitzer sprechen dich auf Englisch an, es gibt Touri-Shuttel-Direktbusse zu allen Touri-Orten und die sehenswerten Orte, die wir gesehen haben, bestehen aus Hotels, Restaurants, Souvenirläden und Tourismus-Centern! Eben dass, was es in Panama nur an einem einzigen Ort gibt und das ist wohl auch der Grund, warum Panama trotz Kanal immer noch auf den Tourismus-Aufschwung wartet.

So, ich könnte jetzt noch ewig, ewig so weiterschreiben, im Kurzfassen liegt wohl nicht meine Stärke :), aber um das Ganze abzukürzen, ein kurzer Überblick:

Wir waren in San José, der Hauptstadt, in 2 Worten: hässlich und alt. Aber auch ganz schön, weil wir uns mit einer Freundin von Inez getroffen haben.

eine wunder-wunder-wunderschöne Kirche in San José

Dann gings weiter, an den Rande des Nationalparks Manuel Antonio, mit wunderschönen Stränden (diesmal pazifische Strände, nicht karibische, ein bisschen Abwechslung muss ja auch sein…J ) und vielen putzmunteren, zuckersüßen Äffchen. Und auch mit Faultieren, die aber wohl von den Äffchen über uns verscheucht wurden, denn zur Gesicht bekommen haben wir sie nur als Plüschtiere im Souvenirladen.

Ach ja, das Meer...

ein "kleines Krokodil", namens Iguana (auf deutsch Leguan)

Mama Affe mit Babyäffchen, zu süüüüß

Dafür bescherten uns die wochenendbedingt überfüllten Hostels eine „Luxus-Nacht“ in einer Cabina, mit Fernseher und Ganzkörperspiegel. Hach, wir sind ja so einfach glücklich zu machen, gell Inez! Auch die warmen Duschen auf unserer Reise ließen mich in regelmäßige Freudentänze ausbrechen :).

Vom Nationalpark gings dann mit Bus und Fähre und Bus und nochmal Bus nach Santa Teresa (auf einer Halbinsel) und damit mitten hinein ins Surferparadies! Surfen konnten wir zwar nicht, aber Inez und ich hatten auch so unseren Spass in Wellen, die größer als meine stolzen 1,60 m waren. Dort genossen wir dann in Hängematte und am Strandlagerfeuer unsere letzten Tage, bevor es wieder zurück (26h im Bus!) nach Panama ging.

"Vamos a la playa" 🙂

Es war ein wunderschöner Urlaub, der genau zur Rechten Zeit kam und an den ich noch lange zurück denken werde…